34 Millionen Schritte – und was das wirklich bedeutet
Wenn eine Behörde mit 100 Prozent Beteiligung eine Schritte-Challenge abschließt, ist das keine Selbstverständlichkeit. Öffentliche Arbeitgeber gelten im BGM-Kontext oft als träge – viele Initiativen versanden zwischen Dienstplänen, Hierarchien und der stillen Überzeugung, dass „sowas hier nicht funktioniert". Das Zentrum Bayern Familie und Soziales, kurz ZBFS, hat genau das Gegenteil bewiesen. 34 Millionen Schritte. Alle Teams im Ziel. Und eine Challengekultur, die weit mehr hinterlassen hat als bunte Balken in einer App.
Was macht eine solche Challenge so besonders? Die Antwort liegt selten in der Schrittzahl – die ist beeindruckend, aber letztlich eine Zahl. Das Entscheidende ist, was zwischen diesen Schritten passiert ist: Humor, Urlaubsgeschichten, Teamrivalitäten, gegenseitige Motivation und das leise Gefühl, dass man gemeinsam auf etwas hinarbeitet. Genau das ist der Stoff, aus dem nachhaltige Bewegungskultur im Unternehmen gemacht wird.
Warum 100 % Beteiligung kein Zufall ist
Eine Beteiligungsquote von 100 Prozent klingt nach Glück. In der Praxis steckt dahinter immer strukturelle Arbeit – und meistens eine Handvoll Personen, die im Hintergrund dafür gesorgt haben, dass niemand zurückbleibt. Beim ZBFS war das keine Ausnahme. Kapitäninnen und Kapitäne übernahmen Verantwortung für ihre Teams, schrieben in den Teamchats, ermutigten, stachelten an – und machten damit genau das, was laut Forschung den größten Unterschied in Bewegungsprogrammen ausmacht: soziale Verantwortlichkeit.
Eine Metaanalyse aus dem Journal of Sport and Health Science (2022) zeigt, dass Menschen bis zu 26 Prozent mehr körperliche Aktivität entwickeln, wenn sie das Gefühl haben, dass andere auf sie zählen. Teamstrukturen mit aktiver Kommunikation sind dabei deutlich wirksamer als reine Einzelziele. Was das für HR bedeutet: Nicht die App entscheidet über den Erfolg einer Schritte-Challenge, sondern die soziale Architektur drumherum. Wer hat den Hut auf? Wer kommuniziert regelmäßig? Wer feiert kleine Erfolge laut?
Beim ZBFS haben die Teamkapitäne diese Rolle gelebt – und das spiegelt sich in der Endbilanz wider.
Kapitäns-Rivalität: Wenn Ehrgeiz produktiv wird
Friendly Competition ist im Corporate-Wellness-Bereich ein viel diskutiertes Instrument. Richtig eingesetzt, erzeugt es Energie und Fokus. Falsch dosiert, führt es zu Frust und Rückzug. Beim ZBFS ist es offensichtlich richtig dosiert worden. Die Rivalität zwischen einzelnen Kapitänen entwickelte sich zu einem Running Gag innerhalb der Challenge – nicht zu einem Konflikt, sondern zu einem gemeinsamen Thema, über das man reden, lachen und sich necken konnte.
Das ist psychologisch gesehen Gold wert. Laut einer Studie der Wharton School of Business steigert spielerischer Wettbewerb die Motivation in Gruppen signifikant – allerdings nur dann, wenn er als fair wahrgenommen wird und die Atmosphäre grundsätzlich positiv ist. Beides war beim ZBFS gegeben. Kapitäninnen und Kapitäne haben sich gegenseitig herausgefordert, ohne dass dabei eine Verliererkultur entstand. Stattdessen entstand genau das, was viele HR-Verantwortliche sich wünschen aber selten gezielt erzeugen: organisches Engagement.
In der Praxis zeigt sich, dass solche Rivalitäten besonders dann entstehen, wenn die Teamgrößen ausgewogen sind und die Wertung auf summierten Schritten basiert – nicht auf Durchschnittswerten, die starke Einzelne überrepräsentieren.
Urlaubsschritte zählen – und warum das kein Cheat ist
Eine Frage taucht bei fast jeder Schritte-Challenge irgendwann auf: Was ist mit Urlaubstagen? Sollen Mitarbeitende, die gerade durch Lissabon schlendern oder die Alpen überqueren, diese Schritte in die Teamwertung einbringen dürfen? Die Antwort – und das ZBFS hat sie gelebt – ist ein klares Ja. Nicht weil es eine Ausnahmeregel wäre, sondern weil Bewegung im Urlaub genauso zählt wie Bewegung im Alltag.
Was dabei passiert, ist eigentlich das Schönste an einer Schritte-Challenge: Menschen berichten aus ihrem Leben. Ein Teammitglied, das vom Wanderurlaub zurückkommt und mit 25.000 Schritten auf einen Tag das ganze Team nach vorne katapultiert, ist kein Ausreißer – es ist eine Geschichte. Und Geschichten halten Teams zusammen. Sie erzeugen Gesprächsthemen jenseits von Aufgaben und Terminen, sie zeigen, dass Kolleginnen und Kollegen auch außerhalb des Büros ein Leben führen, das interessant ist.
Für HR-Verantwortliche ist das eine wichtige Erkenntnis: Eine Schritte-Challenge, die Urlaubstage nicht ausschließt, fühlt sich für Mitarbeitende inklusiver und ehrlicher an. Sie senkt die Hemmschwelle, mitzumachen – gerade für jene, die ohnehin schon aktiv sind, sich aber fragen, ob ihre Aktivität außerhalb der Arbeitszeit „zählt". Sie zählt. Und beim ZBFS hat das die Beteiligungsrate messbar positiv beeinflusst.
Humor als unterschätzter Teambuilding-Faktor
Wer ernsthaft über Corporate Wellness nachdenkt, redet viel über Zahlen, Studien und ROI. Was dabei manchmal vergessen wird: Humor ist ein eigenständiger Gesundheitsfaktor. Und eine Schritte-Challenge, in der gelacht wird, ist eine Challenge, an die sich Menschen erinnern. Beim ZBFS war das spürbar – in den Team-Chats, in der Art, wie über die Kapitäns-Rivalität berichtet wurde, und in der Weise, wie Urlaubsabenteuer mit einem Augenzwinkern geteilt wurden.
Die Wissenschaft bestätigt das: Lachen reduziert Cortisol-Spiegel, stärkt das Immunsystem und fördert soziale Bindungen (vgl. Dunbar et al., Proceedings of the Royal Society B, 2012). Teams, die gemeinsam lachen, vertrauen einander mehr – und dieses Vertrauen überträgt sich auf den Arbeitsalltag. Wer nach einer vierwöchigen Challenge weiß, dass die Kollegin aus dem Nachbarbüro auf langen Urlaubstouren regelmäßig über 30.000 Schritte macht und dabei noch Fotos mit witzigen Kommentaren teilt, hat mit ihr eine andere Beziehung als vorher.
Das klingt banal. Ist es aber nicht. Viele Teambuilding-Maßnahmen scheitern daran, dass sie konstruiert wirken. Eine Schritte-Challenge passiert im echten Leben – und der Humor entsteht organisch. Das ist der Unterschied.
Was HR-Verantwortliche aus dem ZBFS mitnehmen können
Drei Dinge fallen beim ZBFS-Abschluss besonders ins Gewicht. Erstens: Die Entscheidung, Teamkapitäne aktiv einzubinden, hat die Challenge von einem Programm zu einem sozialen Ereignis gemacht. Kapitäne sind keine Administratoren – sie sind Botschafter. Sie kommunizieren, motivieren und schaffen eine Atmosphäre, in der Mitmachen sich anfühlt wie eine Einladung, nicht wie eine Pflicht.
Zweitens: Die Offenheit gegenüber Urlaubsschritten und informellen Beiträgen hat die Challenge für alle zugänglich gemacht. Nicht nur für die Sportlichsten, nicht nur für jene mit Fitnesstracker und Laufschuhen, sondern für alle – inklusive derer, die ohnehin viel in Bewegung sind, sich aber nie als Teil einer „Gesundheitsinitiative" gesehen haben.
Drittens: Die Challengestruktur hat Raum für Humor gelassen. Das klingt nach einer Nebensache, ist aber entscheidend. Eine Challenge, die zu ernst genommen wird, verliert Leichtigkeit – und Leichtigkeit ist der Motor der Wiederholung. Viele Unternehmen, die mit instingo arbeiten, berichten genau davon: Dass die Nachfrage nach einer zweiten, dritten, vierten Challenge nicht trotz des Spaßfaktors kommt, sondern wegen ihm.
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Das ZBFS hat gezeigt, was möglich ist, wenn eine Schritte-Challenge gut aufgesetzt wird: 34 Millionen Schritte, 100 Prozent Beteiligung und ein Teamgefühl, das über die Challenge hinaus wirkt. Das ist kein Zufall – es ist das Ergebnis einer klaren Struktur, engagierter Teamkapitäne und einer Plattform, die den Rest übernimmt.
Wenn Sie als HR-Verantwortliche oder Geschäftsführerin gerade überlegen, ob eine Schritte-Challenge das Richtige für Ihr Unternehmen ist: Die Frage sollte nicht „ob", sondern „wann" sein. Bewegungsmangel kostet deutsche Unternehmen nachweislich Produktivität, Motivation und Gesundheitstage. Eine gut durchgeführte Challenge kostet im Vergleich dazu wenig – und gibt viel zurück.
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