Wenn Sie als HR- oder Wellness-Verantwortlicher in den letzten Jahren ein Schritte-Challenge-Programm aufgesetzt haben, kennen Sie die übliche Liste an Wearable-Anbindungen: Apple Health für iPhone-Nutzer, Google Fit für Android, Fitbit für Power-User, Garmin für die Sportlichen. Genau diese Landschaft verändert sich gerade fundamental – und zwar ohne dass die meisten Unternehmen davon Notiz genommen haben. Google schaltet die Google Fit API Ende 2026 endgültig ab. Gleichzeitig wird die Fitbit Web API durch eine komplett neue Google Health API ersetzt. Mit dem Launch des Fitbit Air am 26. Mai 2026 – auch in Deutschland verfügbar – zieht Google die Strategie sichtbar zusammen. Für Anbieter von Corporate-Wellness-Programmen, und damit auch für unsere Kunden, ist das ein Punkt, an dem Klarheit lohnt.
Was genau passiert mit der Google Fit API?
Die Google Fit API war über ein Jahrzehnt hinweg die Standardschnittstelle, um Fitnessdaten von Android-Geräten in Drittanbieter-Apps zu bringen. Seit Mai 2024 nimmt Google keine neuen Entwickler mehr für diese API auf, und Ende 2026 wird der Dienst vollständig eingestellt. Das betrifft nicht nur kleine Hobbyprojekte: Jede Schritte-Challenge-Plattform, die Fit-API-Daten abgreift, muss bis Jahresende migrieren – sonst stehen die Datenflüsse still.
In der Praxis bedeutet das: Mitarbeitende sehen plötzlich keine Schritte mehr in ihren Challenges, Teams können keine Wettkämpfe mehr abschließen, und HR-Dashboards bleiben leer. Wer als Unternehmen ein Wellness-Programm einsetzt, sollte deshalb beim Anbieter konkret nachfragen: Wie sieht eure Migrationsstrategie aus? Eine Standardantwort wie „wir kümmern uns drum" reicht angesichts des Zeitfensters bis Ende 2026 nicht aus. Seriöse Anbieter haben zu diesem Zeitpunkt einen klaren Migrationsplan, idealerweise mit konkreten Meilensteinen und einem Abschluss vor dem vierten Quartal 2026.
Die neue Google Health API: kein Rebranding, sondern Neubau
Parallel zur Abschaltung der Fit API hat Google die Fitbit Web API von Grund auf neu gebaut und unter dem Namen Google Health API veröffentlicht. Das ist mehr als ein Logo-Tausch. Die alten 100+ Fitbit-Endpunkte wurden zu strukturierten Datentyp-Bündeln konsolidiert, die Architektur ist Cloud-zu-Cloud auf Basis von modernem OAuth 2.0, und die API ist kontobezogen statt gerätebezogen. Das bedeutet: Ein Mitarbeitender verbindet einmal sein Google- oder Fitbit-Konto, und danach laufen die Daten unabhängig vom konkreten Gerät weiter. Sowohl Fitbit-Daten als auch Daten der Pixel Watch fließen über dieselbe Schnittstelle.
Aus B2B-Sicht ist das eine deutliche Verbesserung. Die Anbindung wird stabiler, die Compliance-Verantwortung verteilt sich klarer – Google handhabt OAuth und DSGVO-konforme Zustimmung, der Plattformanbieter handhabt die Datenverarbeitung – und die Wartungskosten für den Plattformbetreiber sinken spürbar. Übersetzt heißt das: weniger Ausfälle in laufenden Challenges, weniger Support-Tickets von frustrierten Mitarbeitenden, weniger interner Aufwand für die HR-Abteilung. Ein wichtiger Termin am Rande: Google empfiehlt offiziell, neue Integrationen erst Ende Mai 2026 produktiv zu schalten – passend zur Abschaltung der alten Fitbit-Konten-Logik. Bis dahin migrieren seriöse Plattformbetreiber im Hintergrund, ohne dass Endnutzer etwas mitbekommen.
Health Connect ist nicht das Gleiche wie die Google Health API
Mit der Diskussion um die Google Health API kommt regelmäßig die Frage auf: Brauchen wir dann überhaupt noch Health Connect? Oder reicht uns Health Connect statt der neuen API? Beides ist falsch – und genau hier verlieren manche Anbieter den Anschluss. Health Connect ist eine On-Device-Schnittstelle. Sie läuft ausschließlich auf dem Smartphone des Nutzers, Daten werden lokal verschlüsselt gespeichert und können nur an Apps weitergegeben werden, die ebenfalls auf demselben Gerät installiert sind. Das ist datenschutzfreundlich – aber für ein cloud-basiertes Wellness-Programm allein nicht ausreichend.
Die Google Health API ist dagegen eine Cloud-Schnittstelle. Der Server der Wellness-Plattform spricht direkt mit Googles Cloud, auf vorab definierten Zeitplänen, unabhängig davon, was der Nutzer gerade auf dem Handy macht. Die Unterschiede in der Praxis sind erheblich – und am übersichtlichsten in einer direkten Gegenüberstellung:
| Aspekt | Google Health API | Health Connect |
|---|---|---|
| Standort | Cloud (Server-zu-Server) | Lokal auf dem Smartphone |
| Onboarding | Webbasiert via OAuth – ein Klick im Browser | App-Installation auf dem Privathandy notwendig |
| Plattformen | Web, Android, iOS | Nur Android |
| Datensynchronisation | Automatisch im Hintergrund, unabhängig vom Nutzer | Nur wenn App geöffnet wird |
| Historische Daten | Vollständiger Verlauf des Kontos | Maximal 30 Tage rückwirkend |
| Geräteabdeckung | Fitbit, Pixel Watch (Google-Ökosystem) | Alle Android-Health-Apps – Samsung, Garmin, Polar, Withings |
| Eignung für B2B | ✓ Skalierbar für Tausende Mitarbeitende | Ergänzung für Drittgeräte auf Android |
Die Tabelle macht deutlich, warum die Google Health API der natürliche Hauptpfad für Corporate-Wellness ist: webbasiertes Onboarding ohne App-Pflicht, automatische Synchronisation und volle Datenhistorie. Health Connect dagegen schließt die Lücke für Mitarbeitende mit Garmin, Samsung Galaxy Watch oder Polar-Geräten – aber nur dann, wenn diese auch eine mobile App des Wellness-Anbieters installiert haben.
Die korrekte Lesart ist also: Beide werden gebraucht, sie ergänzen sich, sie ersetzen sich nicht. Die Google Health API bedient den klassischen B2B-Onboarding-Flow. Ein Mitarbeitender klickt auf einen Link in der Einladungsmail, meldet sich am Laptop bei der Wellness-Plattform an, verbindet sein Fitbit- oder Pixel-Konto via OAuth – fertig. Kein App-Download, keine Pflicht-Installation auf dem privaten Handy. Das ist genau die Reibungsarmut, die Corporate-Rollouts mit mehreren tausend Mitarbeitenden überhaupt erst skalierbar macht. Health Connect wird relevant, wenn Mitarbeitende Wearables außerhalb des Google-Ökosystems nutzen – Garmin, Samsung Galaxy Watch, Polar, Withings. Diese Daten lassen sich nur über eine Companion-App auf dem Smartphone abgreifen. Apple HealthKit bleibt der dritte Pfeiler für iOS-Nutzer mit Apple Watch oder Drittanbieter-Geräten.
Eine Wellness-Plattform, die ausschließlich auf Health Connect setzt, schließt iPhone-Nutzer aus, zwingt jeden Teilnehmer zur App-Installation und akzeptiert Datenausfälle, sobald jemand die App eine Woche nicht öffnet. Für freiwillige Hobby-Apps mag das funktionieren. Für ein Unternehmensprogramm, das messbare Teilnahmequoten liefern soll, ist es zu fragil.
Was bedeutet das konkret für Ihr Wellness-Programm?
Wenn Sie aktuell ein Schritte-Challenge- oder Wellness-Programm einsetzen oder gerade evaluieren, lohnen sich drei Fragen an Ihren Anbieter. Erstens: Wie ist der Migrationsplan zur Google Health API, und welche konkreten Zeitpunkte sind dafür vorgesehen? Zweitens: Wie werden iPhone-Nutzer mit Fitbit oder Pixel Watch behandelt – wenn die Antwort eine Pflicht-App ist, ist die Architektur veraltet. Und drittens: Welche Geräte werden über Health Connect angebunden, welche über die Google Health API, und welche über Apple HealthKit? Eine klare Antwort zeigt, dass der Anbieter die Unterschiede zwischen den Schnittstellen wirklich verstanden hat.
Bei instingo läuft die Migration aktuell im Hintergrund. Unsere Kunden – von mittelständischen DACH-Unternehmen bis hin zu Großprojekten mit mehreren tausend Teilnehmenden – werden vom Wechsel auf die Google Health API nichts mitbekommen, außer dass die Anbindung stabiler und die OAuth-Flows reibungsloser werden. Mitarbeitende mit Fitbit Air, Pixel Watch und älteren Fitbit-Modellen bleiben durchgängig verbunden, iOS-Nutzer ebenfalls, und Garmin- oder Samsung-Träger bekommen ihre gewohnte Health-Connect-Anbindung auf Android.
Fazit
Die Abschaltung der Google Fit API ist kein Drama, aber auch keine Nebensache. Wer ein Corporate-Wellness-Programm betreibt, sollte sicherstellen, dass der Anbieter die Migration aktiv steuert und die Architektur klar zwischen Google Health API als Cloud-Anbindung für Fitbit und Pixel und Health Connect als Android-Brücke für Drittgeräte trennt. Beide Werkzeuge gehören in den Werkzeugkasten, und kein einzelnes ersetzt das andere. Für HR- und Wellness-Verantwortliche ist die wichtigste Erkenntnis: Eine moderne Plattform sollte 2026 webbasiert anbindbar sein, ohne dass Mitarbeitende eine App installieren müssen. Wer sich heute für eine Lösung entscheidet, die ausschließlich auf On-Device-Schnittstellen setzt, wird in zwölf Monaten vor demselben Migrationsdruck stehen, den Google gerade ausgelöst hat – nur eine Etage tiefer.
Wenn Sie Ihr Wellness-Programm zukunftssicher aufstellen möchten, sprechen Sie mit uns. Auf instingo.de finden Sie alle Informationen zu unserer Plattform – inklusive der Wearable-Anbindungen, die wir für unsere Kunden bereits heute über Google Health API, Health Connect und Apple HealthKit umsetzen.


























